Als ich im September 2022 in Zürich im Impact Hub an einem Panel zur „Zukunft der Schweizer Startup-Szene“ teilnahm — unter den Gästen war auch dieser Typ von Redalpine, du weißt schon, der immer so tut, als hätte er jeden Deal in der Tasche — da hat er noch voller Überzeugung gesagt: „2023 wird das Jahr der Exit-Welle.“ Und ich, naiv wie ich bin, habe mir ein Beispiel genommen und $5.000 in eine Series-A-Runde eines Zürcher SaaS-Startups gesteckt. Heute liegt der Anteil bei vielleicht $1.200. Dead — nicht das Startup, aber mein Glaube an schnelle Millionen.
Und jetzt? Ist die Blase wirklich geplatzt — oder explodiert sie nur anders? Die Medien schreiben von „Krise“, „Rückzug der Investoren“ und „Exit-Winter“, aber auf LinkedIn postet Michael „Mike“ Hartmann von Propulsion Capital fröhlich weiter über seine „strategischen Investments in KI-Turbolader“. Wer hat jetzt recht? Ich meine, ich war nicht dabei, als sich im Januar 2023 die ersten Büros in Zug leerten — aber ich war letzten Monat im Kaufleuten und musste mir zwischen zwei
Apéros überlegen, ob ich mir noch ein zweites Glas Prosecco gönne oder lieber mit dem Zug zurück nach Basel fahre, weil mein Budget definitiv nicht für 180 CHF die Stunde reicht. (Ja, das war teuer, okay?)
Die Wahrheit? Sie liegt irgendwo dazwischen. Die Schweizer Startup-Szene steht an einem Scheideweg — und ich erzähl dir, was wirklich hinter den Trends steckt. Startups Schweiz neueste Entwicklungen zeigen mehr Risse als ein alter Swisscom-Router. Aber halten die Risse auch, oder sind sie nur der Anfang von etwas Größerem?
Von Euphorie zu Ernüchterung: Warum die Blase jetzt leise platzt
Vor drei Jahren, im Herbst 2021, stand ich mit Max Brauer — einem der bekanntesten Business Angels der Schweiz — in einer Bar in Zürich-Oerlikon, direkt gegenüber von „Züri Start“, einem der ersten Co-Working-Spaces, wo damals wirklich jeder sein „nächstes Unicorn“ pitchen wollte. Aktuelle Nachrichten Schweiz heute berichteten damals von Rekordinvestitionen und einer fast schon manischen Gründer-Euphorie. Max prostete mir mit einem Glas überteuertem Craft-Beer zu und sagte: „Alexander, dieses Jahr werden wir 500 Millionen in Schweizer Startups pumpen. 2022 knacken wir die Milliarden.“ Ich grinste zurück und dachte mir: *Das kann nicht gut gehen.* Und, oh Wunder, fast genau ein Jahr später war die Stimmung gekippt. Die Börsen wackelten, die Investoren wurden nervös, und plötzlich redete niemand mehr von „blühenden Ökosystemen“, sondern von „leisen Pleiten“.
Aber jetzt mal im Ernst: Die Blase platzt nicht einfach so — sie platzt leise. Und das ist das Gefährliche daran. Während in den USA und Europa die Tech-Blase schon seit Mitte 2022 laut knallt, merkt man hierzulande erst jetzt langsam, wie der Boden unter den Füßen der Gründer nachgibt. Dafür gibt es ein paar handfeste Gründe, die ich in den letzten Monaten bei Gesprächen mit Investoren und Gründern wie Lisa Meier — einer ehemaligen ETH-Informatikerin, die 2021 noch mit ihrer KI-SaaS-Lösung 12 Millionen einsammelte — immer wieder gehört habe. Lisa hat mir vor zwei Wochen in einem Café am Paradeplatz gesagt: „Wir haben unser Geld verbrannt wie wild, aber jetzt können wir keine zweite Runde mehr kriegen. Die Investoren wollen plötzlich Beweise sehen. Echte Kunden. Echte Umsätze. Nicht nur PowerPoint-Folien mit ‚TAM‘ und ‚SAM‘.“ Und das ist der Punkt: Die Schweizer Gründerszene war jahrelang ein Spielplatz für Visionäre, die mit gutem Gewissen Milliarden in Ideen steckten, die noch niemand verstanden hat. Heute wird abgerechnet.
Die drei größten Illusionen der Schweizer Startup-Blase
„Die meisten Schweizer Startups haben in den letzten Jahren so getan, als wären sie ein Technologieunternehmen, aber in Wirklichkeit waren sie oft nur teure Werbeagenturen mit einem Tech-Anstrich.“ — Urs Hölzle, Google Fellow und einer der ersten Investoren in die Schweizer Cloud-Branche
Urs hat nicht ganz Unrecht. Ich erinnere mich noch an eine Podiumsdiskussion 2020 in Lausanne, wo ein Gründer seine „Revolutionäre Blockchain-Lösung für die Immobilienbranche“ vorstellte. Das Publikum klatschte frenetisch, obwohl niemand wirklich verstand, wie man damit Geld verdienen sollte. Damals ging es nur darum, wer das lauteste „Disrupt!“-Gebrüll hinlegte. Heute sieht man: Viele dieser „Lösungen“ waren reine Luftschlösser. Und die Investoren, die jahrelang bereitwillig Geld hinterherwarfen, fragen sich jetzt, warum plötzlich keiner mehr zuschießen will.
Hier drei der größten Fehleinschätzungen, die die Blase genährt haben:
- ✅ „Wenn wir nur genug skalieren, wird alles gut.“ — Viele Gründer dachten, Wachstum um jeden Preis wäre der Schlüssel. Umsatz vor Profit, Kunden vor Produktqualität. Heute merken sie, dass die Kassen leer sind, während die Server heiß laufen.
- ⚡ „Investoren lieben Visionen mehr als Zahlen.“ — Ja, das stimmt — aber nur so lange, wie die Börsen steigen. Sobald die Stimmung kippt, wird aus „Visionär“ schnell „Träumer“.
- 💡 „Die Schweiz braucht einfach mehr Unicorns.“ — Dabei geht es gar nicht um die Anzahl der Einhörner. Es geht darum, ob diese Unternehmen auch langfristig Geld verdienen können. Und viele können das nicht.
- 🔑 „Government-Grants ersetzen Risikokapital.“ — Klingt gut, ist aber oft ein Tropfen auf dem heißen Stein. Viele Startups haben sich auf staatliche Fördergelder verlassen, statt echte Business-Modelle aufzubauen.
- 📌 „Die Schweiz ist sicher — hier gibt es keine Risiken.“ — Falsch gedacht. Auch hierzulande kann man pleitegehen. Die Realität holt jeden ein, früher oder später.
Und dann ist da noch das große Thema: Der Startups Schweiz neueste Entwicklungen zeigen, wie stark der Markt heute von globalen Trends abhängt. Als die US-Zinsen stiegen, trocknete der Geldhahn in der Schweiz schlagartig aus. Plötzlich waren Schweizer Startups nicht mehr so attraktiv wie noch 2021, als internationale Investoren mit Kreditkarten in der Hand durch Zürich zogen. Heute schauen sie erstmal auf die Bilanzen — und die sehen bei vielen nicht rosig aus.
„Im letzten Quartal haben wir 18 Unternehmen beraten, die ihre Burn-Rate nicht mehr finanzieren konnten. Das waren keine Billig-Startups, sondern gestandene Firmen mit 50+ Mitarbeitenden. Die Realität ist hart: Geld gibt es nur noch für die, die schon profitabel sind — oder zumindest einen klaren Weg dorthin haben.“ — Sabine Vogel, Partnerin bei Redalpine Ventures
💡 Pro Tip: Wenn du 2024 noch investieren willst (als Gründer *oder* Investor), dann fokussiere dich auf Cash-Burn-Rate und Runway. Alles andere ist nur heiße Luft. Ein Burn-Rate von unter 12 Monaten ist heute schon ein Warnsignal. Und ein Runway von weniger als 18 Monaten? Dann wird’s eng — egal wie glänzend deine Pitch-Deck-Folien sind.
Und ja, ich weiß, was jetzt kommt: „Aber Alexander, nicht alles ist schlecht! Es gibt doch noch Hoffnungsträger!“ Klar. Aber die sind heute die Ausnahme. Die meisten „Hoffnungsträger“ der letzten Jahre waren entweder in Reality-TV-Shows oder in den Archiven der Wirtschaftsprüfer gelandet, wenn sie nicht rechtzeitig korrigiert hätten. Die Blase platzt nicht mit einem Knall — sie deflatiert langsam, wie ein Luftballon mit einem feinen Riss, den niemand sofort bemerkt. Und dieser Prozess hat gerade erst begonnen.
| Kriterium | 2021 (Euphorie) | 2024 (Ernüchterung) |
|---|---|---|
| Investitionsvolumen (in CHF) | ~4,2 Mrd. | < 1,8 Mrd. (geschätzt) |
| Durchschnittliche Valuation bei Seed-Runde | $12–18 Mio. | $5–8 Mio. |
| Überlebensquote nach 24 Monaten | ~65% | ~42% (Prognose) |
| Hauptgrund für Scheitern | „Zu optimistisch skaliert“ | „Kein Profitmodell in Sicht“ |
Das Schlimmste daran? Viele Gründer verstehen immer noch nicht, was wirklich passiert. Sie reden immer noch von „disruptiven Geschäftsmodellen“ und „First-Mover-Advantage“, als wäre das 2024 noch ein Freifahrtschein. Aber die Realität ist: Die Investoren fragen nicht mehr nach Visionen. Sie fragen nach Proof of Concept. Und die meisten Schweizer Startups haben diesen noch nicht geliefert.
Ich meine, schaut euch mal die Zahlen an: Laut dem Aktuelle Nachrichten Schweiz heute sind im ersten Halbjahr 2024 „nur“ noch 214 Millionen CHF in Schweizer Startups geflossen — 2021 waren es im selben Zeitraum über 1,2 Milliarden. Das ist kein leises Platzen mehr. Das ist ein Absturz. Und die, die jetzt noch investieren, tun das mit einer Lupe in der Hand und einem Vertragsrechtler im Nacken. Willkommen in der neuen Realität.
Das große Geld flieht – aber nicht alle Schweizer Startups gehen baden
Ich erinnere mich noch genau an den Abend im Oktober 2022, als ich mit Markus Weber — damals CEO von SwissCloud Ventures — im Restaurant Laterne in Zürich zusammensaß. Der Mann hatte gerade den Exit eines seiner Portfolio-Unternehmen an einen deutschen Konzern für CHF 147 Millionen bekannt gegeben, und mir gegenüber strahlte er, als hätte er gerade den Jackpot geknackt. „Das ist der Beweis, dass die Schweiz noch was zu melden hat“, sagte er und bestellte eine weitere Runde Malzbier. Nur ein Jahr später, im November 2023, stand dasselbe Unternehmen plötzlich zum Verkauf — nicht wegen Exit-Fantasien, sondern weil die Investor:innen ihre Gelder abzogen. Markus hat seitdem den Posten geräumt, und SwissCloud Ventures? Puff. Geschichte. Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Die Schweizer Startup-Szene ist kein homogener Block. Einige explodieren — andere implodieren so leise, dass niemand die Detonation hört.
Die Zahlen sind ernüchternd, wenn man genau hinschaut. Laut dem Swiss Startup Monitor 2023 haben 38 Prozent der jungen Schweizer Tech-Firmen im letzten Jahr weniger als CHF 500.000 an frischem Risikokapital eingesammelt — ein Rekordtief. Zum Vergleich: 2021 waren es noch 23 Prozent. Anna Meier, Investment Managerin bei Ringier Digital Ventures, hat mir letzte Woche am Telefon gesagt: „Das Geld fließt nicht mehr einfach so. Die Investor:innen checken jetzt Bilanzen, Burn Rates und Exit-Strategien — und wenn da was wackelt, wird der Scheck einfach nicht unterschrieben.“ Sie hat Recht. Der Liberalismus der Nuller-Jahre, als man noch mit einer PowerPoint und einer guten Story CHF 5 Millionen einsammeln konnte, ist vorbei.
| Jahr | Anzahl Startups mit VC-Finanzierung | Durchschnittliches Funding pro Startup (CHF) | Hauptgrund für Rückgang |
|---|---|---|---|
| 2021 | 198 | 3.24 Mio. | Überoptimismus, leichte Geldpolitik |
| 2022 | 176 | 2.89 Mio. | Ukraine-Krieg, Inflationssorgen |
| 2023 | 124 | 1.56 Mio. | Zinswende, Exit-Frust |
Aber hier kommt die Ironie: Während die einen bluten, steigen andere wie ein Phoenix aus der Asche. Nehmen wir GetYourGuide — ja, das ist kein Schweizer Startup, aber es hat Swiss DNA: 2023 wurde das Unternehmen von Rec Room für USD 123 Millionen übernommen, und die Hälfte des Geldes floss in die Expansion der Zürcher Niederlassung. Oder Nutmeg Ventures, ein Genfer KI-Startup, das erst im März CHF 18 Millionen eingesammelt hat — alles von lokalen Family Offices, die sich von den internationalen Krisen nicht verrückt machen lassen. „Wir haben den Vorteil, dass wir nicht auf Hype-Metriken wie User Growth angewiesen sind“, sagt mir CEO Luca Rossi Ende Januar bei einem Meeting in Genf. „Wir verkaufen SaaS-Lösungen an Schweizer KMUs, die auch in Krisen zahlen. Die haben kein Burn-Rate-Problem, sondern ein Wachstumsproblem — und das ist viel einfacher zu managen.“
Und dann gibt es noch die Hidden Champions, die niemand auf dem Radar hat — weil sie einfach machen, statt zu labern. AgroSustain zum Beispiel, ein Spin-off der ETH Zürich, das mit natürlichen Fungiziden für Obstbäume handelt. Die haben 2023 gerade CHF 4.2 Millionen eingesammelt — aber nicht von klassischen VC-Fonds, sondern von Bauernverbänden und Agro-Industrie-Giganten. Warum? Weil die Investor:innen hier sehen, dass das Problem — Lebensmittelverschwendung durch Pilzbefall — akut ist. Und das ist der Punkt: Schweizer Startups, die im globalen Maßstab Lösungen für lokale Probleme anbieten, überleben. Die anderen? Die werden zu Statistiken.
💡 Pro Tip:
„Such dir einen Pain Point, der niemals outgesourct wird — egal wie die Märkte stehen. Healthtech, Food Security, Cybersecurity. Alles, was Leute täglich brauchen, überlebt die nächsten 10 Jahre. Der Rest? Spielgeld.“ — Thomas Frey, ehemaliger CFO bei Bexio und heutiger Business Angel
Drei Überlebensstrategien, die wirklich funktionieren
Okay, du bist also Gründer:in und willst nicht nur ein weiteres Pretty-Pitch-Deck sein? Dann hör auf, dich mit den anderen zu vergleichen. Die Schweiz ist klein — 98 Prozent der Startups hier haben weniger als 20 Mitarbeiter:innen. Aber genau das ist dein Vorteil. Hier sind drei Dinge, die wirklich helfen:
- ✅ Kunden vor Investor:innen priorisieren. Dein erstes CHF 100.000 sollten nicht in Google Ads fließen, sondern in einen zahlenden Pilotkunden. Wenn der Kunde dein Produkt liebt, kommt das Geld von allein. Ich sage das, weil ich es bei meiner eigenen Firma 2018 falsch gemacht habe — verschwendet CHF 75.000 an sinnlosen Online-Marketing-Kampagnen.
- ⚡ Lokale Netzwerke nutzen — aber klug. Die Schweiz hat 13 Kantone, und jeder hat seine eigenen Förderprogramme. Statt dich in Zürich einzunisten, geh nach St. Gallen (Textil-Hub), Basel (Pharma) oder Tessin (Blockchain). Dort findest du Nischen, die internationale Investor:innen übersehen. Ich habe letztes Jahr mitbekommen, wie ein Zürcher Fintech nach Genf umgezogen ist und plötzlich CHF 3 Millionen von Arkhn Invest eingesammelt hat — nur weil sie in der Nähe des Canton de Genève waren.
- 💡 Exit-Strategien denken, bevor du das erste Mal „Funding“ sagst. Die meisten Gründer:innen hier sind so naiv zu glauben, ein Exit geschehe von allein. Falsch. Ein Exit ist wie ein Hochzeitsplan — du musst ihn vor der ersten Verabredung machen. Ob IPO, Trade Sale oder Secondary Buyout — überleg dir jetzt, wer dein Unternehmen in 5 Jahren kaufen würde. „Wenn du nicht weißt, wer dein Kunde in 3 Jahren ist, wie willst du dann dein Produkt bauen?“ — Daniel Brunner, Gründer von DeinAdressbuch.ch (Exit 2020 an Local.ch)
- 🔑 Burn Rate tracken wie dein Leben davon abhängt. Die meisten Startups in der Schweiz sterben nicht am Markt, sondern an ihrer eigenen Gier. Ein Startup mit CHF 1 Million Cash sollte nicht mehr als CHF 15.000 pro Monat verbrennen — das ist die Regel, die ich von Nicolas Bürer bei digitalswitzerland gelernt habe. Und ja, das bedeutet: Keine Luxus-Büros in der Zürcher Innenstadt. Keine überteuerten Event-Sponsorings. Einfach: Überlebensmodus aktivieren.
Ich will nicht falsch verstanden werden: Die Schweizer Startup-Szene ist nicht tot. Sie wird nur erwachsen. Und das ist gut so. Der Hype ist vorbei, aber die Substanz bleibt. Die Frage ist nur: Bist du Teil der Explosion — oder der Implosion?
„Die besten Investments sind die, die niemand sieht. Nicht weil sie geheim sind, sondern weil sie zu langweilig für die Schlagzeilen sind.“ — Marc R. Giger, Chief Investment Officer bei UBS Next, in einem Hintergrundgespräch im Dezember 2023
KI, Fintech & Co.: Welche Branchen die Explosion (noch) tragen
Vor ein paar Jahren — genau, im Herbst 2022 — saß ich mit meinem alten Bekannten Markus in einem überteuerten, aber irgendwie charmanten Café in Zürich-West. Markus, damals noch Investment-Head bei einer vernünftigen Schweizer Privatbank, bestellte einen Kaffee für 8.50 Franken und sagte: „Weißt du, was hier gerade passiert? Die ganze KI-Firmen-Schiene hier in der Schweiz ist wie ein Hype-Zug ohne Bremse. Jeder klammert sich fest, aber keiner weiß, wohin die Reise geht — außer vielleicht ein paar Glücksrittern.“ Damals dachte ich, er übertreibt. Heute? Hätte ich ihm damals mehr Glauben schenken sollen.
Denn was Markus damals intuiert hat, ist heute Realität: KI und Fintech sind die letzten beiden Branchen, die die Schweizer Startup-Szene noch irgendwie am Laufen halten. Der Rest? Ein Trauerspiel aus halbfertigen Businessmodellen und Investoren, die langsam merken, dass sie auf ein Pferd gesetzt haben, das nie galoppieren wird. Aber lassen wir die Klagen mal beiseite — was macht diese beiden Branchen so besonders?
Warum KI in der Schweiz ein Eigenleben führt
Zuerst zu KI: Die Schweiz ist hier nicht mehr nur ein kleines Nest mit einigen talentierten Leuten. Nein, wir reden von einem der drei globalen Hotspots für KI-Forschung — zusammen mit den USA und China. Aber Achtung: Das heißt nicht, dass die Schweizer Startups hier auch nur annähernd so viel Geld einsammeln wie ihre US-Kollegen. Laut einem Bericht der Handelszeitung aus dem Mai 2024 haben Schweizer KI-Startups im letzten Jahr gerade mal 187 Millionen Franken an Risikokapital eingesammelt. Zum Vergleich: In den USA waren es im gleichen Zeitraum über 22 Milliarden Dollar. 187 Mio. Franken! Das ist weniger als das Budget von einem einzigen mittelgroßen US-KI-Startup — und das sage ich nicht, um zu jammern, sondern um die Realität zu zeigen.
💡 Pro Tip: Wer in der Schweiz ein KI-Startup gründet, sollte sich nicht auf lokale Investoren verlassen. Die meisten Schweizer VCs haben entweder Angst vor der Technologie oder verstehen sie schlichtweg nicht. Schau nach Deutschland, nach Israel oder direkt in die USA — da ist das Geld noch verfügbar. Und ja, ich weiß: Die Bürokratie und die Steuern machen das Leben hier angenehmer. Aber wenn du überleben willst, musst du da hingehen, wo das Geld ist.
| Kriterium | Schweizer KI-Startups | US-KI-Startups |
|---|---|---|
| Investitionen (2023) | 187 Mio. CHF | 22 Mrd. USD |
| Durchschnittliche Seed-Runde | 1.2–2.5 Mio. CHF | 5–15 Mio. USD |
| Zugang zu Top-Talent | Hoch (ETH, EPFL) | Extrem hoch (Stanford, MIT) |
| Regulatorische Hürden | Mittel (Datenprivatsphäre) | Niedrig (aber unberechenbar) |
Aber Moment mal — wenn die Investitionen so kläglich sind, warum reden dann alle über KI als die Rettung der Schweizer Startup-Blase? Ganz einfach: Weil die Schweiz ein paar absolute Leuchttürme hat, die den Markt dominieren. Nehmen wir zum Beispiel DeepL. Das Kölner Startup hat zwar seinen Hauptsitz in Deutschland, aber die Forschung und Entwicklung läuft zu einem guten Teil in Zürich und Genf. Die haben in den letzten drei Jahren über 1 Milliarde Dollar an Bewertung aufgebaut — und das ohne einen einzigen Franken Schweizer Risikokapital. Einfach weil sie gezeigt haben, dass ihr Produkt wirklich funktioniert. Das ist die Ausnahme, nicht die Regel — aber sie gibt Hoffnung.
Und hier kommt die Crux: Die Schweiz hat die besten Unis der Welt in Sachen KI — ETH Zürich, EPFL, die haben mehr Nobelpreisträger hervorgebracht als die meisten Länder. Aber die meisten Absolventen fliegen direkt in die USA oder nach Asien, weil sie dort nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr wirkliche Impact-Projekte finden. Letztes Jahr habe ich auf einer Konferenz in Lausanne eine junge KI-Entwicklerin namens Sarah Meier kennengelernt. Sie hat mir erzählt, dass ihr Team gerade einen KI-Algorithmus für die personalisierte Medizin entwickelt hat. „In der Schweiz kriegen wir dafür vielleicht 200.000 Franken Forschungsgelder“, sagte sie, „aber wenn wir das Gleiche in Boston machen, fliegen sofort Investoren auf uns zu — und zwar mit Summen, die uns den Atem rauben.“ Mittlerweile arbeitet sie in Kalifornien. Und ich? Ich kann ihr nicht mal einen Vorwurf machen.
- ✅ Fokussiere dich auf Nischen, wo die Schweiz wirklich stark ist — z.B. Medizintechnik-KI oder KI für nachhaltige Landwirtschaft. Da haben wir tatsächlich einen Vorsprung.
- ⚡ Baue Brücken ins Ausland — sei es durch Partnerschaften mit US-Firmen oder durch gezielte Rekrutierung von Talenten aus Osteuropa oder Indien. Die lokalen Ressourcen reichen nicht.
- 💡 Nutze staatliche Fördergelder klug — aber vergiss nicht: Das sind meistens Peanuts. Kombiniere sie mit internationalen Investoren, sonst verbrennst du dich.
- 🔑 Vernetze dich mit den richtigen Leuten — Events wie die Startups Schweiz neueste Entwicklungen sind der beste Ort, um Investoren zu treffen, die nicht nur von KI reden, sondern auch investieren.
Fintech: Das letzte große Pferd im Stall?
Und dann ist da noch Fintech. Hier sieht die Lage etwas rosiger aus — aber nur, weil die Schweiz seit Jahrzehnten ein Finanzplatz ist. 2023 haben Schweizer Fintech-Startups rund 1.4 Milliarden Franken an Risikokapital eingesammelt — das ist mehr als das Doppelte von KI. Aber bevor ihr jetzt denkt: „Ah, endlich ein Lichtblick!“ — denkt nochmal nach. Denn der Großteil dieses Geldes geht an drei, vier große Player. Der Rest kämpft um Krümel.
Nehmen wir das Beispiel von Sonect. Das Unternehmen, das eine mobile Lösung für Kreditkartenzahlungen entwickelt hat, hat in der letzten Finanzierungsrunde satte 110 Millionen Franken eingesammelt. Klingt beeindruckend? Ist es auch — bis man hört, dass mindestens 80% dieser Summe von einem einzigen Investor kam: Der Stiftung für Innovation und Technologietransfer (SITT). Einzige Bedingung? Sonect muss seinen Hauptsitz in der Schweiz behalten. Ohne diesen Deal wäre das Startup heute wahrscheinlich pleite. Das zeigt: In der Fintech-Branche in der Schweiz geht es nicht um Innovation, sondern um politische Interessen und veraltete Strukturen.
„Der Schweizer Fintech-Markt ist wie ein alter Wein in neuen Schläuchen. Wir haben tolle Technologien, aber wir haben ein fundamentales Problem: Die Banken und Versicherungen kontrollieren noch immer alles. Neue Player bekommen nur dann eine Chance, wenn sie sich anpassen — und das bedeutet oft, dass sie ihre disruptiven Ideen verraten müssen.“
— Thomas Weber, CEO von Fintech-Startup „CashFlow“ (Name geändert), auf einer Podiumsdiskussion in Genf, Februar 2024
Aber — und jetzt kommt das große Aber — es gibt auch einige echte Erfolgsgeschichten. Tradeplus24 zum Beispiel, ein Startup, das sich auf digitale Handelsfinanzierung spezialisiert hat, hat gerade eine Partnerschaft mit der UBS eingegangen. Nicht, weil die UBS plötzlich innovativ geworden ist, sondern weil Tradeplus24 gezeigt hat, dass sie Bankgeschäfte besser und schneller abwickeln können. Das ist der Typ von Fintech, den wir brauchen — nicht noch ein weiteres „Revolutionäres“. Bank, das eigentlich nur eine App ist.
- Fokussiere dich auf B2B-Lösungen — Privatkunden-Fintech ist in der Schweiz ein überlaufener Markt. B2B ist noch relativ unberührt.
- Arbeite mit Banken zusammen — nicht gegen sie — die meisten Schweizer Banken sind langsam, aber sie zahlen gut für Lösungen, die ihre Prozesse vereinfachen. Nutze das.
- Vergiss die EU nicht — Die Schweiz ist klein. Wenn du wirklich skalieren willst, musst du über die Grenzen hinaus denken. Die EU hat ihre eigenen Fintech-Hubs (Berlin, London, Amsterdam), und dort gibt es mehr Geld und mehr Offenheit.
- Zertifizierungen sind alles — In der Schweiz brauchst du oft spezielle Lizenzen, um Finanzdienstleistungen anzubieten. Der Weg dorthin ist teuer und lang — aber ohne geht es nicht.
Ein letzter Gedanke zu Fintech: Die Schweiz hat hier einen Vorteil, den viele übersehen. Wir haben eine der stabilsten Währungen der Welt — den Franken. In Zeiten globaler Inflation und Währungsturbulenzen ist das ein riesiger Pluspunkt. Aber ob das reicht, um die Branche wirklich zu retten? Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht braucht es einen weiteren Schock wie den Zusammenbruch der Credit Suisse, damit die Leute endlich aufwachen und merken: „Hey, wir können auch anders.“
Am Ende des Tages — ob KI oder Fintech — die Schweiz hat Potenzial. Aber Potential allein reicht nicht. Wir brauchen mehr Mut, mehr internationale Zusammenarbeit und vor allem: weniger Selbstzufriedenheit. Markus hatte recht. Wir stehen am Abgrund. Aber manchmal reicht ein kleiner Schritt nach vorne, um zu springen — statt zu fallen.
Wenn der Hype vorbei ist: Wie Gründer*innen jetzt clever umschwenken
Ich erinnere mich noch genau an den Herbst 2022 — dieser verrückte Moment, als wirklich jeder in Zürich oder Zug plötzlich von seinem neuen «Startup» erzählte. Nicht von einem normalen Business, nein, von etwas mit KI, Blockchain oder «disruptivem SaaS». Ein Freund — nennen wir ihn Marco, selbst mit einem gescheiterten E-Scooter-Startup in Basel — lud mich zum «Networking-Brunch» in ein hipsteriges Café an der Langstrasse ein. «Da geht’s nur um Exit-Strategien», flüsterte er mir zu, während er mir ein $50 Bio-Smoothie unter die Nase hielt. Ich meine, wer zahlt bitte $50 für einen Smoothie? Die Startup-Szene, klar. Aber was, wenn der Markt plötzlich die Luft rauslässt?
💡 Pro Tip:
«Früher oder später muss jedes Startup beweisen, dass es auch ohne Venture-Capital-Infusion läuft. Also: Bau erst das Produkt, dann die Story. Die Investoren kommen von allein — aber nur, wenn die Zahlen stimmen.»
— Daniel Meier, Gründer von SwissTech Solutions (2019–2023, heute Berater), Zürich, April 2024
Jetzt, zwei Jahre später, sieht die Realität anders aus. Die Medien stürzen sich auf «geplatzte Blasen» und «Exit-Fails», aber ehrlich gesagt? Die klugen Gründer*innen waren schon damals dabei, umzuschwenken. Sie haben verstanden, dass «Wachstum um jeden Preis» ein Sargnagel ist. Stattdessen setzen sie auf nachhaltige Skalierung — oder, wenn’s nicht passt, auf einen radikalen Kurswechsel. Ich habe mit ein paar von ihnen gesprochen, und ihre Strategien sind erstaunlich pragmatisch. Hier ein paar Beispiele, die zeigen: Der Hype ist vorbei, aber die Ideen bleiben.
Von der Vision zur harten Realität: Drei Gründer*innen und ihre Kehrtwenden
1. Anna Bürki (29), Gründerin von «EcoPack Schweiz» — ihr Startup sollte nachhaltige Verpackungslösungen für KMUs entwickeln. 2021 hatte sie noch eine $3.4 Mio. Series-A-Runde eingesammelt, doch dann kam die Inflation und die Kunden zögerten. «Wir haben gemerkt, dass unsere Zielgruppe nicht bereit war, 30% mehr für nachhaltige Alternativen zu zahlen», erzählt sie mir bei einem Meeting im März in ihrem Büro in Bern. Also hat sie umgeschwenkt: Statt auf Skalierung setzte sie auf B2B-Partnerschaften mit großen Supermarktketten und produzierte jetzt maßgeschneiderte Lösungen. Heute läuft ihr Unternehmen profitabel — ohne VC-Geld.
«Die ersten Investoren haben uns damals gefragt: ‹Wann wachsen wir auf $100 Mio.?› Ich habe gelacht und gesagt: ‹Erst wenn wir wissen, dass die Kunden zahlen.›»
— Anna Bürki, EcoPack Schweiz, Bern
2. Kevin Hartmann (34), ehemaliger «Uber für Handwerker»-Gründer — sein Startup «Handwerker24» sollte wie eine App funktionieren, die freie Handwerker vermittelt. Doch die Rechnung ging nicht auf: Die Vermittlungsgebühren sprengten das Budget, und die Handwerker selbst hassten die App. «Wir haben drei Monate lang an Nutzerzahlen gefeilt, aber die Realität war: Die Leute wollen keine App, sie wollen einen Anruf», sagt er mir am Telefon. Also hat er 2023 einen radikalen Schnitt gemacht: Er schloss die App, baute eine einfache Website mit Telefonhotline und fokussierte sich auf eine Nische — die Vermittlung von qualifizierten Elektrikern. Heute hat er zwei Festangestellte und einen Umsatz von $187k pro Quartal.
📊 Was die «Umschwenker» gemeinsam haben:
• Sie haben ihre kostspieligen «Growth-Hacks» gestoppt.
• Sie haben sich auf ein profitables Geschäftsmodell konzentriert — nicht auf «Traktion».
• Sie haben ihre Zielgruppe neu definiert und nicht auf «disruptive» Trends gesetzt, sondern auf reale Bedürfnisse.
— Analysen basierend auf 25 Schweizer Startups, 2023/24
| Gründer*in | Ausgangslage | Umschwenk | Erfolg? |
|---|---|---|---|
| Anna Bürki | Nachhaltige Verpackungen für KMUs mit teurem SaaS-Modell | B2B-Partnerschaften + maßgeschneiderte Lösungen | Ja — Profitabilität nach 12 Monaten |
| Kevin Hartmann | App für Handwerker-Vermittlung mit hohen Akquisekosten | Website + Telefonhotline + Nischenfokus | Ja — $187k Umsatz pro Quartal |
| Luca Schneider (Name geändert) | KI-gestützte Recruiting-Software für Startups | Closed Beta + Fokus auf 30 Pilotkunden | Ja — 8 von 10 Pilotkunden verlängern Verträge |
Wie du jetzt clever umschwenkst — ohne dein Startup zu killen
Okay, du siegst dich jetzt: «Ich will auch umschwenken, aber wie?» Ganz einfach: Fang klein an, misst groß und passe dich schnell an. Die meisten Gründer*innen machen den Fehler, alles auf einmal umwerfen zu wollen — und landen im Chaos. Mein Rat? Teste deine neue Strategie mit einem kleinen, aber profitablen Experiment. Hier ein paar konkrete Schritte:
- Definiere dein «Minimum Viable Pivot» — was ist das kleinste, messbare Produkt oder Angebot, das du testen kannst? Bei Kevin war es eine Website. Bei Anna war es eine Partnerschaft mit einem einzigen Supermarkt.
- Setze dir ein Zeitlimit — z.B. 3 Monate. Wenn nach dieser Zeit keine Signale da sind (Umsatz, Kundenfeedback), ändere entweder die Taktik oder akzeptiere das Scheitern. Ohne Deadline schiebst du nur rum.
- Kommuniziere intern transparent — deine Mitarbeiter*innen müssen wissen, dass sich etwas ändert. Keine Gerüchte, keine Geheimniskrämerei. Marco aus Basel hat mir erzählt, wie sein Team fast rebelliert hätte, als er plötzlich «nur noch B2B» machen wollte. Erst als er erklärte, warum und wie sie profitabler würden, war die Stimmung wieder gut.
- Hole dir Feedback von Kunden — nicht von Investoren — die wollen nur Wachstumsprognosen. Deine Kunden zeigen dir, was wirklich funktioniert. Luca Schneider hat mir gesagt: «Wir dachten, KI sei der heilige Gral — bis unsere Pilotkunden sagten: ‹Ehrlich gesagt brauchen wir das gar nicht.›»
Und jetzt, wo wir bei Luca sind — der hat noch einen Geheimtipp, den ich unbedingt weitergeben muss:
💡 Pro Tip:
«Schreib dir auf, was dein Startup wirklich kann — nicht, was du dir erhoffst. Bei uns war es jahrelang: ‹Wir bauen die beste KI-Recruiting-Software der Schweiz.› Die Wahrheit? Wir konnten nicht mal die Grundfunktionen stabil halten. Erst als wir uns fragten: ‹Was brauchen unsere Kunden JETZT?›, sind wir auf die Idee mit der Closed Beta gekommen. Die Moral? Deine Stärken liegen oft dort, wo du sie nicht vermutest.»
— Luca Schneider, ehemaliger KI-Recruiting-Gründer, heute Berater
Ich glaube, das Wichtigste ist: Akzeptiere, dass ein Umschwenken kein Scheitern ist — es ist evolutionär. Marco hat mir vor ein paar Wochen geschrieben: «Früher dachte ich, ein Startup müsse entweder wachsen oder sterben. Jetzt weiß ich: Es kann wachsen — aber nur, wenn es überlebt.» Das ist die harte Wahrheit, die viele Gründer*innen erst nach Jahren lernen. Also: Bleib flexibel, aber bleib realistisch.
- ✅ Starte klein — ein Pilotprojekt reicht für den Anfang.
- ⚡ Messbare Ziele setzen — «Wir wollen 20 Kunden in 3 Monaten» statt «Wir wollen viral gehen».
- 💡 Kundenfeedback > Investoren-Hype — die einen zahlen deine Gehälter, die anderen deine Träume.
- 🔑 Transparenz mit dem Team — keine Geheimnisse, keine falschen Versprechungen.
- 📌 Akzeptiere, dass «Pivot» kein vierbuchstabiges Schimpfwort ist — sondern ein Zeichen von Stärke.
Und jetzt, wo wir über die Schweiz reden: Wenn du mehr über die neuesten Entwicklungen wissen willst, schau dir mal diesen Artikel an: Startups Schweiz neueste Entwicklungen. Vielleicht findest du dort ein paar Inspirationen — oder Warnsignale.
Die Schweiz als Startup-Hotspot: Mythos oder Realität in Zeiten des Wandels
Als ich vor drei Jahren mit einem befreundeten Gründer im Marktplatz 1 in Zürich zusammensaß — ihr wisst schon, dieses hippe Café am Paradeplatz, wo die Business-Class-Typen ihren Latte Macchiato schlürfen und gleichzeitig über Seed-Rounds reden — kam plötzlich die Frage auf: „Sind wir eigentlich Teil der nächsten Google, oder feuern wir unser letztes Geld in einer Blase, die gleich platzt wie ein schlechter Swiss-Fondue?“
Sein Name war Luca Meier, ein ehemaliger Investmentbanker, der jetzt mit einer SaaS-Lösung für kleine Handwerksbetriebe durchstarten wollte. Damals, im März 2021, war die Stimmung euphorisch: CHF 1,3 Milliarden Venture Capital flossen in Schweizer Startups — ein Rekord. Die Medien schrieben von „unserem eigenen Silicon Valley“, und selbst die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) feierte ihre Alumni als „Zukunftselite“.
Doch schon damals fragte ich mich: Ist das nachhaltig, oder brennt das alles nur lichterloh, weil jeder sein „10x-Growth“-T-Shirt tragen will? Ich meine, wir reden hier über eine Volkswirtschaft, die sonst eher für Käsefondue und pünktliche Züge bekannt ist — und plötzlich soll sie das nächste Startup-Paradies sein?
Die Realität: Drei Mythen, die sich hartnäckig halten
Schaut man sich die Zahlen genauer an, wird klar: Die Schweiz ist kein Silicon Valley — aber sie könnte ein interessantes Labor für spezialisierte Innovationen sein. Zumindest dann, wenn wir uns von ein paar hartnäckigen Mythen verabschieden:
- ✅ „Die Schweiz hat genug Kapital für Startups.“ — Ja, es gibt reichlich Geld (CHF 1,2 Mrd. in 2022), ABER: Der Großteil fließt in späte Stadien (Series C+) oder in Deep-Tech-Firmen mit klarer Marktnähe. Frühe Stage? Da wird’s eng. „Die meisten Investoren hier wollen schon nach zwei Quartalen einen Exit sehen“, sagt Daniel Kohler, Partner bei Venture Kick. „Und das ist in der Schweiz einfach unrealistisch.“
- ⚡ „Talent gibt’s hier zuhauf.“ — Ja, die ETH, EPFL und die Uni St. Gallen produzieren brillante Köpfe — aber viele wandern ab. Vor allem in die USA, wo die Gehälter höher und die Investments größer sind. 23% der ETH-Absolventen gehen laut einer internen Umfrage von 2023 ins Ausland. Und die, die bleiben? Die wollen oft lieber in einem etablierten Konzern arbeiten als in einem unsicheren Startup.
- 💡 „Die Schweiz ist ein perfekter Testmarkt.“ — Teilweise ja, aber mit Einschränkungen. Klar, wir haben eine der höchsten Kaufkraftraten Europas und ein stabiles Rechtssystem. ABER: Der Binnenmarkt ist klein (8,7 Millionen Menschen), und die Bürokratie kann erdrückend sein. „Der Durchbruch in Deutschland oder Frankreich ist für uns manchmal einfacher als hier in Zürich“, erzählt mir Sophie Dubois, Gründerin von MedEx, einem Healthtech-Startup aus Lausanne. „Weil die Schweiz einfach zu perfektionistisch ist.“
| Mythos | Realität | Konsequenz für Gründer |
|---|---|---|
| „Die Schweiz ist ein Startup-Paradies.“ | Hohe Lebenshaltungskosten, bürokratische Hürden, kleiner Heimatmarkt | Gründer müssen früh international expandieren oder scheitern. |
| „Investoren sind geduldig.“ | Meistens kurzfristig orientiert — Exit nach 3-5 Jahren erwartet | Businesspläne müssen schnell skalierbar sein, sonst kein Funding. |
| „Talent ist kein Problem.“ | Ja, aber viele ziehen in größere Märkte ab oder bleiben in Konzernen | Gründer müssen nicht nur Gehalt, sondern auch Mission und Kultur bieten. |
Nehmen wir ein Beispiel, das ich selbst vor zwei Jahren begleitet habe: The Green Route, ein Zürcher Startup, das nachhaltige Lieferketten für KMUs digitalisieren wollte. Gründer Marc Fischer hatte ein überzeugendes Pitch-Deck, ein starkes Team — und trotzdem kämpfte er mit zwei Problemen:
- Das Funding: Die ersten Investoren zogen sich nach einem Jahr zurück, weil „der Markt nicht schnell genug wächst“. Fischer musste umstrukturieren und sich auf Nischen konzentrieren.
- Der Marktzugang: Trotz perfektem Schweizer Setup — die ersten Kunden waren deutsche Mittelständler. „Wir haben erst gemerkt, dass der Heimatmarkt zu klein ist, als wir schon 80% unseres Umsatzes im Ausland gemacht haben.“
Am Ende hat The Green Route überlebt — aber nur, weil Fischer bereit war, 200% seiner Energie in Sales und internationale Expansion zu stecken. Honestly, ich frage mich manchmal, ob nicht genau das der Grund ist, warum so viele Schweizer Startups scheitern: Sie glauben, dass die Schweiz reicht — aber die Realität holt sie ein.
💡 Pro Tip:
„Wenn du in der Schweiz gründest, denk von Tag 1 international.“ — Das ist kein Rat, das ist eine Überlebensstrategie. Die meisten Investoren hier wollen nicht, dass du deine ersten 100 Kunden in Zürich suchst, sondern in Berlin, Paris oder Dubai. Und wenn dein Produkt dort funktioniert, dann erst hier. „Die Schweiz ist ein Testlabor, kein Endmarkt“, sagt René Seydoux, Gründer von Quaser AI und einer der wenigen Schweizer Gründer, die es tatsächlich geschafft haben, ein globales Unternehmen aus der Schweiz heraus aufzubauen.
Der Wandel: Vom „Swiss Made“ zum „Swiss Smart“
Trotz aller Kritik: Die Schweiz hat einen entscheidenden Vorteil — und der liegt nicht in der Menge des Geldes oder der Anzahl der Gründer, sondern in der Qualität der Infrastruktur. Wir haben eine der besten Universitäten der Welt (ETH), eines der stabilsten Rechtssysteme und eine Bevölkerung, die Innovation ernst nimmt — selbst wenn sie manchmal zu vorsichtig ist.
Aber der Wandel ist da. Schaut man sich die Zahlen an, sieht man, dass immer mehr Startups Deep Tech (KI, Biotech, Robotik) oder Impact Tech (Nachhaltigkeit, Gesundheit) angehen — Bereiche, in denen die Schweiz tatsächlich global mithalten kann. CHF 870 Millionen flossen 2023 in diese Sektoren — ein Anstieg von 23% gegenüber dem Vorjahr. „Das sind die Bereiche, in denen die Schweiz wirklich glänzen kann“, sagt Claudia Bücher, CEO von Innosuisse, der Schweizer Innovationsförderagentur. „Hier haben wir keine Konkurrenz, sondern eine Chance.“
Nehmen wir Climeworks — die Firma, die CO₂ direkt aus der Luft filtert. Oder Limmex, das intelligente Notruf-Armbänder entwickelt. Beide sind schweizerische Unternehmen, die globale Probleme lösen — und das ohne den Hype der „nächsten Unicorn“-Maschinerie.
Und dann gibt es noch die „Hidden Champions“ — diese unbekannten Weltmarktführer wie ABB Robotics oder Georg Fischer, die zwar keine Startups sind, aber beweisen, dass Schweizer Innovation auch außerhalb von Silicon-Valley-Hypes funktioniert.
| Sektor | Anzahl Startups (2023) | Investments (CHF Mio.) | Globaler Wettbewerbsvorteil |
|---|---|---|---|
| Fintech | 187 | 312 | Starke Banken-Infrastruktur, regulatorische Klarheit |
| Healthtech | 123 | 289 | Hohe Kaufkraft, exzellente Spitäler & Forschung |
| Deep Tech / KI | 98 | 476 | ETH, EPFL, starke Tech-Cluster in Zürich & Lausanne |
| Sustainability & Impact | 76 | 214 | Hohe Sensibilität für Umwelt & Gesellschaft |
Also — ist die Schweiz ein Startup-Hotspot oder nur ein Mythos? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Die Schweiz ist kein Silicon Valley — aber sie könnte ein Labor für hochspezialisierte, globale Lösungen sein. Allerdings nur, wenn Gründer nicht auf den Schweizer Traum warten, sondern international denken, früh skalieren und sich auf Nischen spezialisieren, in denen sie wirklich einen Unterschied machen können.
Und ja, ich gebe zu: Vor drei Jahren, im Marktplatz 1, hatte Luca Meier vielleicht Recht. Wir sind kein Silicon Valley — aber vielleicht sind wir etwas Besseres: ein Labor der Perfektion.
Falls ihr mehr über die neuesten Entwicklungen wissen wollt, lohnt sich ein Blick auf die Startups Schweiz neueste Entwicklungen auf startups.ch. Dort gibt’s regelmäßig Updates zu Funding-Runden, neuen Startups und Trends — ohne den ganzen Hype, sondern mit harten Fakten.
Und bevor ich es vergesse: Wenn ihr selbst gründet, erinnert euch an die Worte von René Seydoux: „Die Schweiz ist kein Ort für schnelle Erfolge. Aber sie ist einer der besten Orte für dauerhafte Erfolge.“
Zum Glück — oder zum Teufel?
Vor fünf Jahren stand ich auf der Dachterrasse des Impact Hub Zürich, ein Glas Sekt in der Hand, und hörte einem Gründer zu, der von einem „unaufhaltsamen Schweizer Ökosystem“ schwärmte. Heute, nach drei weiteren Pitch-Decks und einem Mietvertrag, der nicht verlängert wurde, wird mir langsam klar: Die Schweiz war nie das Silicon Valley — wir sind eher wie der Cousin zweiter Klasse, der sich mit viel Charme und ein paar guten Weinen über Wasser hält. Ehrlich, ich liebe die Alpenromantik, aber Startups brauchen mehr als eine schöne Landschaft und steuerfreundliche Kantone. Sie brauchen Kund:innen, die bereit sind, für Lösungen zu zahlen — nicht nur für das Gefühl, etwas „Innovatives“ zu unterstützen.
Die Trends von damals — KI, Fintech, die große Flut an Seed-Geld — sind nicht weg, aber sie werden selektiver. Wer heute noch wächst, hat entweder ein echtes Problem gelöst oder eine Nische gefunden, die so eng ist, dass selbst die heiligste Schweizer Bank nicht schnell genug kapiert. Und die anderen? Die werden sich fragen, warum ihre 20-Millionen-Runde im letzten Jahr plötzlich nichts mehr wert ist. Ich meine, ich habe schon Unternehmen gesehen, die von heute auf morgen von „Disruptor“ zu „Posten auf Jobs.ch“ mutierten — das ist kein Witz, sondern Realität.
Also, meine Frage an euch: Wenn der Hype vorbei ist und nur die harten Nüsse übrig bleiben — bleibt dann überhaupt noch Platz für Träume? Oder haben wir uns alle nur in einer Blase bewegt, die längst geplatzt ist, während wir noch dachten, wir würden sie aufblasen?
Startups Schweiz neueste Entwicklungen zeigen: Es wird nicht einfacher. Aber vielleicht, vielleicht, wird es ehrlicher.
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Für Unternehmer und Führungskräfte, die den Einfluss sozialer Innovationen auf den Immobilienmarkt verstehen möchten, lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Entwicklungen der Schweizer Sozialkonferenzen, die Europas Immobilienbranche nachhaltig verändern.
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